Die Haltung
Der Mensch in seiner Erkrankung
Im Mittelpunkt steht für mich nicht die Krankheit als lästiges Symptom, sondern der Mensch mit all seinen Facetten, Lebens- und Schicksalsfragen.
Krankheit hat den Charakter des Innehaltens
Sie ruft auf, eine Pause zu machen. Oft ist sie verbunden mit Lebenskrisen, die ein Umdenken fordern, ein Loslassen von Gewohnheiten, eine Neuorientierung.
Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, dass in diesem Innehalten etwas frei wird. Nicht weil ich es herbeiführe, sondern weil Menschen sich die Zeit dafür nehmen. Meine Aufgabe ist es, diese Zeit zu halten und dabei genau hinzuschauen.
Von Geburt an bewegt sich der Mensch in einem labilen Gleichgewicht zwischen Gesundheit und Krankheit.
Wie ein Pendel schwingt ein innerer Rhythmus zwischen polaren Lebensmomenten: Wachen und Schlafen, Ruhe und Bewegung, Spannung und Entspannung, bis hinein in die Aktivitäts- und Ruhephasen der inneren Organe. Ist diese Balance aus dem Takt, sind wir empfänglicher für krankhafte Prozesse.
Woher diese Sicht kommt
Mein erster Beruf war Sportpädagogik. Bevor ich Heilpraktikerin wurde, habe ich Menschen in Bewegung begleitet, im Schuldienst und später im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Diese Herkunft prägt bis heute, wie ich auf einen Körper schaue: als etwas, das sich bewegt, das einen Rhythmus hat und aus dem Takt geraten kann.
Später kam die anthroposophisch erweiterte Medizin dazu. Sie hat mir eine Sprache dafür gegeben, was ich in der Bewegungsarbeit schon beobachtet hatte.
Was das praktisch heißt
Es heißt, dass die erste Begegnung bei mir lange dauert. Dass ich nach Dingen frage, die auf den ersten Blick nichts mit Ihrem Anliegen zu tun haben. Dass ich lieber einmal mehr ins Labor schaue, bevor ich etwas empfehle.
Und es heißt auch: Ich sage Ihnen, wenn ich an eine Grenze komme. Es gibt Situationen, in denen der richtige Weg zur Ärztin oder zum Arzt führt, und dann sage ich das.